Der sichere Weg zu mehr Gesundheit und besserer Lebensqualität

25.01.2012 von Karl-Heinz Stolz

Eine in der Steinfurt in Stolberg beheimatete Physiotherapiepraxis hatte letzte Woche zu einem Vortrag mit Andreas Bredenkamp in den Zinkhütter Hof eingeladen und nicht nur ich, sondern auch ca. 150 vornehmlich ältere Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Der Vortrag stand unter dem Motto: „Der sichere Weg zu mehr Gesundheit und besserer Lebensqualität“. „Da kommt bestimmt wieder jemand, der erklärt, mit welcher Diät man schnellstmöglich abnehmen wird“, dachte ich mir. Daher war ich mit viel Skepsis zu dieser Veranstaltung gefahren.


Allerdings wurde ich positiv überrascht. Andreas Bredenkamp ist Sportwissenschaftler, war selbst deutscher Meister im Bodybildung und wirbt in Deutschland jeden Abend für einen Sportgerätehersteller, der Geräte für Gesundheitstraining herstellt.


Bredenkamp stellte an den Anfang seines Vortrags die Frage, ob Muskeltraining oder Herz-Kreislauf-Training wichtiger sei, um möglichst lange fit zu bleiben. Normalerweise lautet die Antwort auf diese Frage - das Herz-Kreislauf-Training. Der rhetorisch sehr geschickte Bredenkamp machte aber mit einem Satz deutlich, dass das Muskeltraining die richtige Antwort sei. „Wenn der Muskel keine Leistung einfordert, ist das Herz ohne Arbeit“, so derBredenkamp. Um es deutlicher zu sagen: Wer mangels Kraft nicht mehr aufstehenkann, kann auch für sein Herz nichts mehr tun!
Bredenkamp zog seine Zuhörerschaft sehr geschickt mit einfachen Beispielen in seine ca. 3- stündige Vortragsveranstaltung ein. Der Vortrag selbst gliederte sich in die Themenfelder Training, Ernährung und Stressabbau. Und bei jedem Themenfeld ergab sich das Muskeltraining als Lösung aller Probleme.
In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass ein trainierter 75-Jähriger leistungsfähiger sei wie ein untrainierter 30-Jähriger. Auch dafür gäbe es wissenschaftliche Studien. „Muskeltraining ist der beste Schutz vor dem Altwerden“, fasste der Sportwissenschaftler zusammen.


Die Einzelheiten des Vortrages stammten aus seinem für eine gute Verständlichkeit prämierten Buch, dass in der Pause der Veranstaltung vergriffen wurde.


Zwei Prinzipien gelten beim Training – die Superkompensation und die steigenden Belastung. Die Superkompensation besagt, dass zwischen dem Training ausreichende Erholungsphasen eingelegt werden müssen. Erst wenn sich der Körper vollständig von der Belastung erholt hat, stelle sich der Trainingseffekt ein. Liegt zu viel Zeit zwischen den Trainingseinheiten werde man keine Verbesserung erzielen. Zu viel Training sei auch nicht gut, denn dadurch verstärke sich die Ermüdung.


An der Ernährung liegt das Übergewicht nicht, griff Bredenkamp das nächste Thema auf. „Wir werden dicker, weil wir uns immer weniger bewegen“. Eine Diät ist nicht die Lösung. Bei einer Diät verliere man zwar Gewicht, aber nur wenig Fett. Wissenschaftler hätten nachgewiesen, dass ein Mensch in einer Woche nicht mehr als ein Kilogramm Fett abbauen kann. Wer beispielsweise die in vielen Zeitschriften gepriesene Diät: 5 kg in einer Woche probiert, der verliert nicht fünf Kilo Fett. „Er verliert vier Kilo Muskelmasse sowie Wasser und ist im Verhältnis zu seinem Ausgangsgewicht eigentlich fetter als zuvor“, hielt Bredenkamp fest. Dass der Körper so reagiere, sei aus der Evolution bedingt. Im Winter musste der Mensch zum Überleben Muskelmasse abbauen, da die Muskeln viel Energie verbrauchten. Da es im Winter weniger zu essen gab, waren große Muskeln eher unerwünscht.  Als im Frühjahr dann wieder die Jagdsaison begann, wurde die Muskulatur wieder aufgebaut. „Die Diät kann bei uns nicht funktionieren, weil wir nach der Diät nicht auf die Jagd, sondern zum Kühlschrank gehen“, witzelte Bredenkamp. Nur Muskeltraining könne hier Abhilfe schaffen. 


Der dritte Teil des Vortrages beschäftigte sich wie gesagt mit Stress. Stress sei ein Ergebnis der Evolution. Er sei nötig gewesen, damit in möglichst kurzer Zeit alle Energiereserven des Körpers und Muskulatur für eine Flucht bereitgestellt werden konnten, um z.B. vor einem Löwen zu flüchten. Nur heute gibt es nicht mehr so viele Löwen, vor die man flüchten müsste – vielleicht jedoch vor dem Chefs oder viel Arbeit– jedoch kann man davor nicht so einfach davor weglaufen. Auch sind häufig Ängste Stressauslöser, die nicht ad hoc zu lösen sind. 


Die Folge heißt Burnout-Syndrom. Da es nicht mehr so viele Löwen in freier Wildbahn gibt, sind Bewegung und Muskeltraining logischerweise auch heutzutage die beste Möglichkeit, um Stress abzubauen. Bredenkamps  Fazit: Wer sich fit und gesund fühlen möchte und das ein Leben lang, muss sich bewegen. 
Diesen Satz kann ich natürlich ausdrücklich untersteichen. „Regelmäßiger, ausreichender Sport ist gesund und hält fit“. Man muss sich das aber auch erlauben können. Und ein Monatsbeitrag zur Benutzung entsprechender Geräte des Sportartikelherstellers kann bis zu 50 € im Monat kosten. Wenn Sie noch etwas dazu legen, können Sie bei der Turngemeinde  schon ein ganzes Jahr Ihre Muskeln aufbauen. 


Eigentlich wollte ich gar nicht über diesen Vortrag berichten, da die vorstehenden Informationen eigentlich jedem Sportinteressierten schon bekannt sein dürften. Herr Bredenkamp hat jedoch einen Appell an alle Zuhörer mit den ausdrücklichen Wunsch gerichtet, diesen Appell an alle Interessierte weiterzugeben. Diesen Wunsch unterstütze ich in jeder Hinsicht und möchte auch Sie als Leser bitten, diesen Inhalt ausdrücklich weiterzugeben. 


Wichtige Daten für unsere Volksgesundheit sind nach Darstellung von Herrn Bredenkamp das Jahr 1958 mit der großflächigen Einführung der Waschmaschine und des Autos, was zur Todesursache Nr. 1 – den Herzinfarkt – seit diesem Jahr jedes Jahr führt, sowie das Jahr 1990 mit der flächendeckenden Einführung des Computers. Der dadurch immer größer werdende Bewegungsmangel trifft nicht nur ältere Menschen, sondern sogar schon unsere Kinder.


„Kinder, die heute sechs Jahre alt sind, werden nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft die erste Generation sein, die das Alter ihrer Eltern nicht mehr erreichen“, hielt Bredekamp fest, obwohl aufgrund der verbesserten Medizintechnik eine Alterserwartung von 100 Jahren möglich wäre. Gerade im Alter zwischen 8 und 14 Jahren entwickeln sich die Grundlagen für die Koordination zwischen Muskel, Gehirn sowie der Knochenaufbau. (Im übrigen wird diese Feststellung auch in jeder vernünftigen Trainerausbildung vermittelt). Durch den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder würde sich die körperlichen Grundlagen eigentlich von allein entwickeln. Wo können die Kinder aber noch den natürlichen Bewegungsdrang noch ausleben? Auf der Straße im großen Autoverkehr? Auf fehlenden Wiesen oder Bolzplätzen? Vor dem Computer bei Facebook, E-Mails oder Handy? Mit erhöhtem Lernen und Üben am Schreibtisch aufgrund verkürzter Schulzeiten am Gymnasium?


Im Verein? Eigentlich ja – wenn man die Kinder dorthin bringt. „Eltern werden in Zukunft schon ihren Kindern beibringen müssen, wie wichtig es ist, etwas für die Gesundheit zu tun“. Leider wird sich wahrscheinlich erst in 10 Jahren dieses Bewusstsein in allen Köpfen einprägen und dann ist für die heutigen 6 – jährigen Kinder schon zu spät. Also! Sprechen Sie über das Thema und bringen Sie Ihre Kinder in Bewegung und in die Vereine.

 

 

Karl-Heinz Stolz

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