Wo dicke Matten zum Hindernis mutieren . . .
01.02.2012 von Karl-Heinz Stolz
Bericht der Stolberger Nachrichten vom 01.02.2012 - www.an-online.de e-paper: www.zeitungsverlag-aachen.de/epaper
Hallenstadtmeisterschaften der Leichtathleten kommt bei den Kindern gut an. Für die Senioren allerdings setzen die Wettkämpfe in diesem Jahr erstmals aus.
Weit- oder Hochsprung? Für manch jungen Teilnehmer mit Schuhgröße 28 wurde die Turnmatte zur Barriere.
Von Jan Schlegelmilch
Stolberg. In den letzten Jahren hatte es immer noch gepasst. Irgendwie. Großen Konkurrenzdruck gab es bei den Hallenstadtmeisterschaften der Leichtathleten zwar noch nie, doch ein paar Sportler hatten sich in der Sporthalle des Goethe-Gymnasiums zum Wettkampf immer noch eingefunden.
„Diesmal waren es aber einfach zu wenig Meldungen“, erklärt Peter Jandeleit. Die Konsequenz: Die Hallenstadtmeisterschaft für die Senioren setzt in diesem Jahr erstmals aus. Für so wenige Leichtathleten lohne sich der ganze Aufwand einfach nicht, sagt Jandeleit.
Rund 50 Kinder
Enttäuscht guckt der Geschäftsführer der LG Stolberg, der im nächsten Moment schon wieder die Startklappe über seinen Kopf aufschlägt, aber nicht. Schließlich hat Jandeleit – im wahrsten Sinne des Wortes – am Start der Laufbahnen alle Hände voll zu tun. Denn was in diesem Jahr für die Senioren gilt, gilt für die jüngsten Leichtathleten noch lange nicht.
Rund 50 Kinder tummeln sich in der Halle des Goethe-Gymnasiums und suchen ihre Stadtmeister, wenngleich der Titel für die allermeisten wohl nur eine untergeordnete Rolle spielt. Als kleiner Leichtathlet hat man in der Halle ohnehin mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Für manch kurze Beine stellt die dicke Matte beim Weitsprung eher ein Hochsprung-Hindernis dar, und mit Schuhgröße 28 sind die Startblöcke beim Sprint auch nicht besonders hilfreich.
Die Kinder stört es nicht: Spaß haben bei der Stadtmeisterschaft auf jeden Fall alle, die Meldezahlen bei den Schülern sind auf einem konstanten Niveau. Dass das aber nicht mehr für den jugendlichen Leichtathletik-Nachwuchs und die erwachsenen Sportler gilt, können die Verantwortlichen der LG Stolberg auch kaum verhindern.
„Ab einem bestimmten Alter, so ab zwölf Jahren, haben die Kindern andere Interessen als die Leichtathletik“, muss Jandeleit immer wieder feststellen. Brigitte Ohligschläger, die wie Jandeleit und ein gutes Dutzend freiwillige Helfer für den reibungslosen Ablauf der Stadtmeisterschaft sorgt, hat zumindest eine Erklärung dafür.
„Wir verlieren ab einem gewissen Alter viele Kinder an die Ballsportarten. Außerdem ist in der Leichtathletik oft viel Training nötig, um sich ein bisschen zu verbessern“, vermutet Ohilgschläger. So falle es vielen Athleten leichter, sich in einer Mannschaftssportart zu motivieren.
An der Infrastruktur liegt es wohl weniger – auch wenn diese in Stolberg alles andere als optimal ist. Die Heimstätte der Leichtathleten, das Stadion Glashütter Weiher, versprüht mittlerweile mehr Ranz als Glanz, darüber hinaus kommen sich dort immer wieder Fußballer und Leichtathleten in die Quere. Das könnte sich allerdings bald ändern: Peter Jandeleit ist mit dem Vorschlag, die technischen Disziplinen wie Speer- oder Hammerwurf auf die Anlage hinter der Sporthalle des Goethe-Gymnasiums zu verlagern, auf die Politik zugegangen.
Geplanter Umzug
Entschieden ist noch lange nichts, die Gespräche stehen noch an. Mit der Tartanbahn und einer weitläufigen Rasenfläche würde das kaum genutzte Gelände zumindest gute Voraussetzungen für die Leichtathleten bieten. Umsonst wäre der Umzug aber nicht.
Ein neuer Wurfring inklusive Wurfnetz müsste her, Kostenpunkt in etwa 10 000 Euro. Jandeleit denkt, dass das Geld sinnvoll investiert würde: „Wir würden die Fußballer dann nicht mehr so sehr behindern. Und das Gelände liegt sonst komplett brach.“
„Ab einem bestimmten Alter, so ab zwölf Jahren, haben die Kindern andere Interessen als die Leichtathletik.“
Peter Jandeleit,
Geschäftsführer der LG Stolberg

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